Friedensrepräsentationen
frieden_commente68fe

User login

Der Augsburger Medailleur Jonas Thiébaud1 fertigte diese Schraubmedaille anlässlich des Friedens von Hubertusburg. Der obere Deckel zeigt die Porträts der Frieden schließenden Herrscher, von links nach rechts das kaiserliche Paar Franz I. und Maria Theresia, daneben August III. und Friedrich II. Auf der Rückseite reichen sich Germania und Pax zum Zeichen des Friedens die Hände. Hinter ihnen befindet sich eine Säule mit einer Kartusche, die Vertragsort und Datum nennt. Die Szene umrahmt die Umschrift ’Er [der Friede] sei auf alle Ewigkeit geschlossen‘.

Zwischen beiden Deckeln liegen 9 Papiermedaillons, zwei weitere sind an den Innenseiten befestigt. Die kleinen Radierungen in Medaillenform wurden auf ihrer Rückseite jeweils um deutsche und französische Erläuterungen erweitert. Laut der ersten Einlage handelt es sich um ”Historische Vorstellungen der von A°. 1755. bißs 1763. im Krieg verwickelten hohen Mächten und die darauf erfolgte Frieden.“

Die erste Einlage (DURET PER SECULA MUNDI) greift das auf der Deckelrückseite beschriebene ewige Friedensband auf, versinnbildlicht durch einen Olivenkranz, den die vier Monarchen gemeinsam halten.2 Unter Nummer 3 (AUGUSTIS AUGUSTA PLACEBAT) befindet sich eine Ansicht Augsburgs mit der Stadtpersonifikation, die als Attribut den Anker der Hoffnung mit sich führt. Ihr gegenüber weist ein Friedensgenius auf die Ansicht der Stadt. Bereits 1761 hatte man sich auf Augsburg als Ort des Friedenskongresses geeinigt. Aufgrund von Differenzen und dem gescheiterten Separatfrieden zwischen England und Frankreich sollte es noch zwei weitere Jahre bis zum Vertrag dauern.3 Nummer fünf (VIRTUTIS UTRINQUE PARATA) behandelt den Frieden von St. Petersburg am 5. Mai 1762 zwischen Preußen und Russland. Die folgende Papiereinlage (FONS VERNANS PACIS OLIVA) zeigt eine Ansicht des Schlosses Fontainebleau mit den Wappen Frankreichs, Englands, Spaniens und Portugals. Der Text erwähnt jedoch nicht nur den Präliminarfrieden von Fontainebleau am 3. November 1762 zwischen Frankreich, England und Spanien (Portugal trat am 22. dem Vertrag bei), sondern auch den Frieden von Paris zwischen den drei Erstgenannten am 10. Februar 1763. Auf den letzten beiden Medaillons (PAX ET ARCE PER ORBEM) sind Schloss Hubertusburg (siehe auch Med 2616) und ein Friedensmonument (POSTERITATI) dargestellt, das dem Hubertusburger Vertrag und damit dem Ende des Siebenjährigen Krieges gewidmet ist. Die in die Deckel geklebten Einlagen zeigen hingegen keine historischen Ereignisse, sondern allgemein die Segnungen des Friedens zu Wasser und Lande. Neptuns Dreizack ist von einem Olivenzweig umwickelt, zu seinen Füßen liegen die Waffen am Boden neben Fässern und Handelsgut als Zeichen des wieder aufblühenden Handels. Die Gottheit auf der Rückseite präsentiert die blühende Natur und angelehnt an den Sinnspruch Pax fovet artes die neue Blütezeit der Künste.

ALS

  • 1. Zu Thiébaud siehe Rougemont 1989, S. 31–32.
  • 2. Zur Reihenfolge der Einlagen und zu weiteren Exemplaren siehe Preßler 2000, S. 84–85, Kat.-Nr. 214.
  • 3. Siehe Schmid, Alois: Der geplante Friedenskongreß zu Augsburg 1761, in: Kraus, Andreas (Hrsg.): Land und Reich, Stamm und Nation. Festgabe für Max Spindler. München 1984, S. 235–258.